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Die biblische Schöpfungsgeschichte ist weder brutal noch ethisch verwerflich. Es handelt es sich um einen Mythos, der den naturwissenschaftlichen Vorstellungen des Altertums entspricht. Bedenklich wird es erst, wenn die blind Bibelgläubigen ihn nicht als nette Geschichte ansehen, sondern als absolute unumstössliche noch heute gültige Wahrheit, weil er im heiligen Buch steht, das gemäss ihrer Vorstellung von Gott persönlich diktiert wurde. Sie ignorieren oder leugnen die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften, von denen sie inkonsequenterweise ohne Skrupel profitieren (Medizin, Technik, angenehmes Leben). Sie fordern allen Ernstes, dass an den Schulen statt Physik und Biologie biblische Geschichten unterrichtet werden sollen. Die moderne Kultur würde dann um Jahrhunderte zurück geworfen, wie das schon einmal geschehen ist, als nämlich das Christentum im 4. Jahrhundert römische Staatsreligion wurde. (siehe: http://hpd.de/node/12387)

 

Im Folgenden nehme ich die Bibel bewusst wörtlich, wie es die Fundamentalisten auch tun:

 

1. Mose 1, 1-5: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

 

Kommentar: Dies ist physikalisch unmöglich: Woher soll das Licht kommen, wenn Sonne, Mond und Sterne erst am dritten Tag (siehe unten) erschaffen wurden? Zudem ist es heute erwiesen, dass die Planeten um die Sonne kreisen, somit muss die Sonne zuerst da gewesen sein.

 

1. Mose 1, 7: Da machte Gott eine Feste (Trennlinie, Himmelsgewölbe) zwischen den Wassern und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und so geschah es.

 

Kommentar: Die Menschen des Altertums stellten sich vor, dass sich der Himmel als eine Art Glasglocke über der Erde wölbe. Über dieser Glocke sei wieder Wasser, deshalb sei der Himmel blau, und deshalb könne es manchmel daraus regnen. Es ist drollig, das Gott es genau so gemacht hat, wie es sich die Menschen vorstellten, obschon er es eigentlich hätte besser wissen sollen. Offenbar kannte zudem der allwissende Gott den dritten Aggregatszustand, nämlich „das Gasförmige“ nicht. Klar doch, im Altertum galt die Luft ja noch als Nichts.

 

1. Mose 1, 8-12: Der zweite Tag brach an. Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besonderen Orten, damit man das trockene Land sehe. Und so geschah es. So entstanden Kontinente und Meere. Und Gott sah, daß es gut war. Und Gott sprach: Es soll auf der Erde Gras und Kraut wachsen, das sich besame, und fruchtbare Bäume mit verschiedenen Früchten und Samen. Und so geschah es. .....Und Gott sah, daß es gut war.

 

Kommentar: Dies ist biologisch unmöglich: Gräser, Kräuter und fruchtende Bäume kann es nur geben, wenn die Sonne scheint (Photosynthese). Diese entstand aber gemäss Schöpfungsmythos erst am folgenden Tag. Es kann wohl kaum einer das Leben erschaffen haben, der elementarste biologische Zusammenhänge nicht kennt, die schon einem Sechstklässler mit gutem Biologieunterricht klar sind. Dieser Unterricht wird von den Fundamentalisten penetrant bekämpft, damit die Kinder wieder an die Bibel und nicht an die moderne Naturwissenschaft glauben (die Photosynthese wurde im 18. Jahrhundert n. Chr. entdeckt). Die Naturwissenschaft kann mit ihren Methoden nicht beweisen, ob es Gott gibt oder nicht. Aber sie zeigt klar auf, dass die Welt nicht so entstand, wie es in der Bibel steht.

 

1. Mose 1, 13-17: Nun begann der dritte Tag. Und Gott sprach: Es sollen Lichter an der Feste des Himmels (Himmelsgewölbe) scheinen, die Tag und Nacht unterscheiden und Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre schaffen. Und so geschah es. Und Gott machte zwei große Lichter: Ein großes Licht (die Sonne), das den Tag regiere, und ein kleines Licht (der Mond), das die Nacht regiere, dazu auch Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, daß sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, daß es gut war.

 

Kommentar: Der Mond ist kein „Licht“ wie die Sonne. Er leuchtet nur, weil seine helle Oberfläche die Sonnenstrahlen in der Nacht reflektiert. Es besteht kein Unterschied zwischen Sonne und Sternen, die Sonne ist auch ein Stern. Die Vorstellung von einem Himmelsgewölbe über einer scheibenförmigen Erde ist längst widerlegt. Ein Lehrer, der dieses biblische Weltbild heute noch als Tatsache unterrichtet, würde sich selbst vor Unterstufenschülern lächerlich machen.

 

1. Mose 1,19-22: Da begann der vierte Tag.Und Gott sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Tieren, und Gevögel fliege auf Erden unter der Feste des Himmels. Und Gott schuf große Walfische und allerlei Getier, daß da lebt und webt, davon das Wasser sich erregte, ein jegliches nach seiner Art, und allerlei gefiedertes Gevögel, ein jegliches nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war. Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch und erfüllt das Wasser im Meer; und das Gefieder mehre sich auf Erden.

 

Kommentar: Der Schöpfer des Lebens kannte die Baupläne seiner Lebewesen offenbar nicht so genau. Sonst hätte er wissen müssen, dass Wale keine Fische sondern Säugetiere sind.

 

1. Mose 1, 23-26: Es begann der fünfte Tag. Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Tiere, ein jegliches nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art. Und es geschah also.... Und Gott sah, daß es gut war. Und Gott sprach: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.

 

Kommentar: Gott schritt in seiner Schöpfung vom Einfachen zum Komplexen. Deshalb hat er den Menschen am Schluss gemacht. Aber er kannte sich in der Systematik seines Tierreiches nicht so gut aus. Würmer sind sehr einfach gebaute Lebewesen. Er hätte sie nicht erst am fünften Tag machen sollen, also erst nach den viel komplexer gebauten Fischen, Vögeln und grossen Säugetieren ("Vieh"). Viele Fische und Vögel ernähren sich ja von "Gewürm", also können sie erst entstanden sein, nachdem eine Nahrungsgrundlage da war.

 

Im Gegensatz zum Glauben ist Wissenschaft nie dogmatisch: Wenn sich eine wissenschaftliche Theorie als falsch erweist, wird sie verworfen. Wissenschaftliche Fakten müssen nicht geglaubt, sondern bewiesen oder widerlegt werden, aber bitte nicht mit zweitausend Jahre alten Mythen.Man braucht den biblischen Schöpfungsbericht nicht zu widerlegen, er ist eben keine wissenschaftliche Theorie, sondern ein hübscher Mythos. Mir ist unverständlich, wie das vereinzelt selbst Wissenschaftler verkennen. Es kann sich hier nur um eine Art religiöser Verblendung oder Wahnvorstellung handeln. Auch gescheite Leute können ja krank werden.... 

 

Das Gleichnis von den 4 Zehen:

Wenn in der heiligen Schrift stünde, der menschliche Fuss habe 4 Zehen, würden sich die stur Bibelgläubigen weigern, ihre Zehen zu zählen. Man könnte sie getrost in ihrem Glauben lassen, wenn sie nicht dauernd versuchten, auch uns lauthals und penetrant davon zu überzeugen, dass alles stimme, was in der Bibel stehe, denn schliesslich sei es Gottes Wort. Die Gescheiteren unter ihnen würden es sogar mathematisch beweisen, indem sie so zählen: 0, 1, 2, 3, 4 - na also, der Fuss hat 4 Zehen, und die Bibel hat doch recht! Auf dieser Basis kann man leider nicht mehr vernünftig miteinander sprechen.

 

 

Eine weitere Zählübung für blind Bibelgläubige:

 

2. Mo 2, 21-22: Da ließ Gott den Mann in einen tiefen Schlaf fallen, entnahm eine seiner Rippen und verschloss die Wunde mit Fleisch. Darauf baute Gott aus der Rippe des Mannes die Frau und brachte sie zu ihm.

 

Streng genommen sollte der Mann also auf einer Seite eine Rippe weniger haben als auf der anderen. Da dies offensichtlich nicht so ist, hat die Kirche bis in die Zeit der Renaissance verboten, den menschlichen Körper zu öffnen...